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Nahaufnahme: Nähfuß auf Stoff (Stofffarbe: verschnörkeltes Muster in weiß, rosa bis lila)Endlich habe ich es geschafft und etwas genäht! \o/

Der Nähkurs, den mir meine Eltern auf meinen Wunsch hin geschenkt hatten, ist inzwischen fast zwei Jahre her, und dementsprechend wenig wusste ich noch – das Nähprojekt des Kurses liegt auch noch halbfertig in der Schublade, weil es sich um eine Winterhose handelt und ich gerade nicht weiß, wie sich dieses „Winter“ anfühlt…

Nun ja, jedenfalls habe ich mich anhand zweier Bücher, dem Internet, dem Telefon („Hallo Elter, was bedeutet XY?“) und einem Dutzend Fehler durchgewurschtelt und ein Kleidungsstück fabriziert, das ich tragen kann (und werde!), auch wenn ich beim nächsten Mal völlig anders vorgehen würde. Trotzdem beschreibe ich mal, wie die Sache so abgelaufen ist und notiere alle Fehler, damit ich beim nächsten Nähprojekt weiß, was ich alles nicht machen sollte. ;)

Der plötzliche Nähwunsch kam auf, da ich in dieser Sommerhitze den Wunsch verspüre, so wenig wie möglich anzuziehen… gleichzeitig habe ich – und viele andere Menschen auch – das Problem, dass das Tragen von Röcken Schmerzen an den Oberschenkelinnenseiten bereiten kann. :( Da ich es aber nicht mag, andersfarbige Hosen unterzuziehen (ich trage wegen meiner kurzen Beine meist Röcke, die überm Knie enden, daher gucken Radlerhosen etc. beim kleinsten Windstoß darunter vor), trage ich am liebsten Skorts; das sind Hosen, die – oft nur vorne, seltener komplett – von Röcken verdeckt werden und die es für meinen Geschmack viel zu selten zu kaufen gibt. Was also liegt näher, als sich selbst sowas zu nähen?

Papier, auf dem alle Schnittmusterseiten drauf sind, einige davon gelb umrahmt

Gelb umrahmt: auszudruckende Seiten

Für den Nähkurs damals hatte ich online ein Schnittmuster gekauft, das ich dann aber nicht nutzte, da ich mich kurzfristig für ein einfacheres Projekt entschieden hatte und zudem keine tausend Blätter ausdrucken wollte. Da in dem Schnittmuster aber Hose UND Rock enthalten waren, dachte ich, es böte sich jetzt an, auf dieser Grundlage meine eigenen Skorts zu basteln… leider machte ich zwischendurch einen entscheidenden Denkfehler, sodass mein ursprüngliches Vorhaben am Ende ganz anders aussah und leider nur „Pseudo-Skorts“ dabei herauskamen.

Schnittmuster eines Hosenbeins, darauf BackpapierZum Durchpausen des Schnitts habe ich wieder mein altbewährtes Backpapier verwendet, weil ich Schnittmuster-/Seidenpapier so teuer finde und Backpapier robuster ist (ich arbeite vorwiegend auf dem Teppich und trete schnell mal auf sowas drauf). Am Ende bin ich zwar bei der Hose völlig von diesem Schnittmuster weggekommen (warum, erkläre ich noch), weiß aber jetzt immerhin, nach welchem Prinzip ein Hosenschnitt funktioniert – und das ist ja auch viel wert. ;)

Schnittmuster eines Hosenbeins auf Stoff aufgelegtSchicken Stoff für mein Vorhaben hatte ich bereits gekauft, und weil ich an jenem Tag so positiv-optimistisch unterwegs gewesen war (lies: von nüscht ’ne Ahnung hab), hatte ich ganz glatten, weichen Jersey-Stoff gewählt, der sich unter der Nähmaschine als eine Ausgeburt der Hölle entpuppte und überhaupt nicht tauglich für Anfängermenschen wie mich war. Nun ja… immerhin war er um 75% reduziert gewesen. :)

Spiegelbild mit angezogener Hose, Innenseite nach außen

Nachdem ich die Hose abgemalt und auf den Stoff übertragen hatte, machte ich den ersten entscheidenden Denkfehler: ich befand, dass sie viel zu groß war, weil ich nicht bedacht hatte, dass sie durch das einzunähende Gummiband stark gerafft werden würde. Ehrlich gesagt wusste ich überhaupt nicht mehr, wie ein Gummizug funktioniert – ich war davon ausgegangen, dass ich hinterher einfach Rock und Hose am Band festnähe, bis mir die Mama am Telefon verriet, dass das Gummiband durch eine umgenähte Stoffzugabe durchgezogen und der Stoff dann stark gerafft wird. Das steht zwar auch in der Anleitung, aber soweit hatte ich zu diesem Punkt noch gar nicht ordentlich gelesen.

Aber selbst, wenn ich es am Ende richtig gemacht hätte, wäre die Raffung von Rock UND Hose vermutlich sehr wulstig am Bund geworden – das benutzte Schnittmuster wäre deshalb für Skorts gar nicht geeignet gewesen. Dazu kam es aber eh nie, denn an diesem Punkt säbelte ich die Hose einfach kleiner… auf eine Art, die vermutlich nicht lehrbuchkonform ist, aber ich war faul und wollte nicht noch mal die ganzen Nähte auftrennen. ¯\_(ツ)_/¯

Stück Stoff, durch den zwei Nähte verlaufen

Mein Weg: Stoff am Körper passend abstecken, dann nähen, wo die Naht verlaufen soll, dann den Stoff abschneiden, dann noch mal versäubern. Nicht schön, aber schnell (und bei diesem Stoff machbar). :P

Spiegelbild mit angezogener Hose, Bund noch unfertigAnschließend versäumte ich die Beine (später musste ich sie noch mal kürzen, damit sie nicht versehentlich unterm Rock hervorlugten) und war erst mal ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Die Hose hing zwar noch immer locker, passte aber an der Taille. (Zu diesem Zeitpunkt dachte ich ja noch, ich würde sie später am Gummiband festnähen… nun ja.)

Danach schnitt ich den Stoff für den Rock zurecht – ich hatte sowohl Hose und Rock, die im Schnittmuster lang sind, einfach um 50 cm gekürzt, und zwar von unten und nicht dort, wo im Schnitt steht, dass an dieser Stelle zu kürzen sei. Viereckiges Stück Stoff, darauf fertige HoseDas ist zwar auch nicht die korrekte Vorgangsweise, aber ich fand, dass es bei dem verwendeten Stoff keinen Unterschied machen würde (tat es glücklicherweise auch tatsächlich nicht, aber ich muss dringend „vernünftiges“ Kürzen und Abnähen lernen – vielleicht mache ich ja noch mal einen Nähkurs).

Glücklicherweise tätigte ich den entscheidenden Anruf bezüglich des Gummibandes, bevor ich auch am Rock herumsäbelte. ^^;; Ich hätte den Rock dann zwar ohne Raffung nähen können, aber die schönen Falten wären komplett futsch gewesen und der Stoff nicht so schön gefallen. Ebenso hätte ich die Hose auch so weiterverarbeiten können, dass ich sie getrennt vom Rock nutze, aber ich trage eigentlich keine Shorts. Stattdessen beschloss ich, die Hose mit Druckknöpfen am Rock zu befestigen, sodass ich sie sogar rausnehmen kann, wenn ich z. B. Strumpfhosen trage – das ist natürlich nicht das Prinzip von Skorts, aber der Stoff des Rocks wurde am Bund so sehr gerafft, dass ich die Hose nicht ordentlich daran hätte festnähen können.

Zwei Bilder: Gummibund um Hose, Gummibund im Rock

Gummiband abgemessen an Hose (Stoff liegt glatt an), dann in Rockbund eingefädelt (Stoff ist stark gerafft).

Zum Versäumen des Rocks lernte ich dann die Zwillingsnadel kennen, und das Ergebnis gefällt mir ganz gut. (Mein Zetern und Fluchen um zwei Uhr nachts, weil der Stoff so rutschig-dehnbar war, hat hoffentlich niemanden geweckt…)

Stück des Rocksaums, zwei dunkelrote Fadenrollen, eine Spule und eine ZwillingsnadelNahaufnahme: DruckknöpfeGlücklicherweise hatte meine Nähmaschine (gehörte früher meiner Oma) keine Probleme mit der Zwillingsnadel. Die acht Druckknöpfe ließen sich dann leider nur in Handarbeit anbringen – bei diesem weichen Stoff muss ich zudem immer aufpassen, sie beim Öffnen nicht versehentlich herauszureißen… nicht die optimalste Lösung.

Ab hier folgten eigentlich nur noch Anproben, nochmaliges Kürzen der Hosenbeine, Fluchen, erschrockenes Feststellen, dass nicht alles ordentlich versäumt wurde (an Stellen, wo sich das nachträglich kaum noch machen lässt), Fadenreißen, mehr Fluchen, viele Folgen von „The Nanny“ und irgendwann zufriedenes Aufatmen.

Drei Bilder: Hose einzeln, Hose liegt auf Rock, Rock einzeln (alle auf Teppich liegend)

Hose – Hose auf Rock (wie sie innen liegt) – Rock

Anschließend kam der spannendste Teil: die letzte Anprobe mit zum ersten Mal im Rock eingesetzter Hose. War ich froh, dass am Ende alles passte und der Stoff der Hose nicht überspannt wurde! \o/

Vier Bilder: Hose von Seite und vorne, Rock von Serite und vorne (alle am Körper)

Hose: zu weit, um sie alleine zu tragen, aber genau richtig unterm Rock

Skort am Körper; Rockteil angehoben, sodass Hose darunter sichtbar istIch kann sagen: ich bin zufrieden für den ersten Versuch! :)

Ich weiß nun, dass ich nächstes Mal kein Schnittmuster mit Gummibund wählen würde, und vielleicht nehme ich lieber etwas festeren Stoff… es gibt ja auch direkt Skort-Schnittmuster, aber bisher habe ich keines gefunden, das mir wirklich zusagt.

Außerdem würde ich gerne ein Sommerkleid mit passenden Innen-Hosen machen… mal sehen, ob ich bald die Muße dazu finde. Zunächst mal muss ich meinen neuen Rock ausführen und später auf Wunsch meiner Schwester einen für sie schneidern – aber ohne Hose drin, puh.

Auf jeden Fall kann ich sagen, dass mir das Nähen viel Spaß gemacht hat und dass es weniger anstrengend ist, als befürchtet. Außerdem haben die Eltern fürs nächste Mal ganz viel Hilfe und Tipps versprochen. Das zweite Nähprojekt wird auf alle Fälle nicht erst wieder in anderthalb Jahren angegangen… ;)

Person mit Rock und dunkelrotem Shirt steht im Garten, Ansicht von hinten

Hab auf dem Foto blöderweise alle Falten mit der Hand glattgezogen. Ups. ^^;

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